Die »Signale für die musikalische Welt« bringen eine Besprechung des Konzerts vom 17.10.1924 mit der 8. Symphonie: »Die dieswinterlichen Konzerte der »Deutschen Nothilfe« haben mit einer würdigen Brucknerfeier begonnen, mit einer wahrhaft monumentalen Darstellung der achten Symphonie. Von den Werken des Meisters ist es wohl dasjenige, das am schwierigsten eingeht und wegen seiner Problematik am schwersten wiederzugeben ist. Was für kleinere Taktstockschläger unweigerlich zur Enthüllung ihrer Armseligkeit führen müsste, wird zum Ehrentitel für einen grossen Dirigenten wie Otto Klemperer. Kein ehrgeiziger Subjektivismus, kein kaltberechnender Intellekt bei ihm, wiederum auch kein blindes, gefühlsmässiges Musikantentum. Wie Klemperer auswendig das Riesenwerk beherrscht und gleichsam von einem archimedischen Punkt aus die Partitur aus der zweiten in die dritte Dimension erhebt, das ist im hohen Grade bewundernswert. Viele suchen die Deutung Bruckners mit einem Seitenblick auf den kindeseinfältigen meistens betenden Menschen und Musiker, der vor hundert Jahren geboren wurde. Aber das alles sind irdische Abhängigkeiten, oder auch - psychologische Hemmungen, die nebensächlich bleiben müssen. In Klemperer steht da ein Künstler, der sich immer bewusst ist der hohen Mission, das unerklärliche Walten des Genius nachschöpferisch wieder aufleben zu lassen [...]«.
Zitierhinweis:
Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 192410176, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-192410176letzte Änderung: Feb 02, 2023, 11:11