Besprechung der 3. Symphonie in der Neuen Berliner Musik-Zeitung, S. 508 (*).
Das Mährische Tagblatt Nr. 239 bringt auf S. 1 - 3 den ersten Teil eines ausführlichen Artikels zur 8. Symphonie:
" "Bruckner's Achte Symphonie."
(Ein Vorwort zum nächsten Concerte des Olmützer Musikvereines.
Unser Musikverein wird in seinem am nächsten Sonntag, den 22. d. M., stattfindenden Concerte Bruckner's "Achte Symphonie" zur Aufführung bringen.
Aus den mehr oder minder begeisterten Besprechungen des grandiosen Tonwerkes, das in seiner Art unter den Compositionen der jüngsten Zeit einzig dasteht, wollen wir nachstehende unserem Publicum mit dem Wunsche zur Kenntniß bringen, daß dasselbe in gerechter Würdigung der Intentionen des Musikvereines und seines artistischen Leiters, dessen Bemühungen durch zahlreichen Besuch des Concertes unterstützen möge. Eine Bruckner'sche Symphonie wird sobald nicht wieder die Vortragsordnung unserer musikalischen Vereine zieren.
Das "Musikalische Wochenblatt" (Kritiker Dr. Theodor Helm) Leipzig, schreibt:
Es dürfte wohl in den Annalen der Concertgeschichte sehr selten vorgekommen sein, [... es folgt der vollständige Text vom 29.12.1892 (mit minimalen orthographischen Abweichungen) ...] Die Aufführung unter Hans Richter's Leitung war, vom vergriffenen Tempo des Trio abgesehen, eine hinreißend vollkommene.
In der "Extrapost" läßt sich Max Graf vernehmen:
Bruckner's Individualität ist unberechenbar: [... ab hier der vollständige Text der Kritik vom 19.12.1893 ...]
Es war ein Ehrentag für den greisen Meister und ein Festtag für die Zuhörer, welche solcher Geniethaten schon lang entwöhnt sind.
In der "Oesterreichischen Volkszeitung" schreibt Balduin Bricht:
Die Hörerschaft, welche am 18. December 1892 der Erstaufführung von Bruckner's Achten [sic] anwohnte, war durchdrungen von der Erkenntniß, daß diese anderthalb Stunden Musik zu dem Größten und Bedeutungsvollsten gehören, was unsere Tage in der Musikpflege erlebt. Ein Jubel umbrauste den Meister, daß er in seiner frommen Naivetät förmlich rathlos dastand und nicht wußte, wie danken, wie die mächtigen Lorbeerkränze, die ihm überreicht wurden, zur Seite zu tragen. Und diese überschäumenden Beifallsäußerungen klangen keineswegs wie die handfeste, trotzige Muß=Leidenschaft der Parteigänger, sondern sie waren hervorgerufen durech die aufrichtige Bewunderung, durch überwältigende Ergriffenheit. Bruckner hat in seiner Achten die übliche Form der Symphonie noch mehr aufgelockert, als in ihren Vorgängerinnen, aber der Inhalt ist ein so beispiellos reicher, daß man unbedenklich sagen darf, Bruckner habe da erst das Meisterstück seines Styls der Welt übergeben. Sieht man auch ab von den Wundern der Contrapunktik und der orchestralen Pracht dieses Werkes – selbst Bruckner's Gegner lassen ihm in diesen Richtungen Gerechtigkeit widerfahren, – so wird Niemand die Thatsache in Abrede stellen wollen, daß man vom ersten bis zum letzten Tone dieser längsten aller Symphonien festgebannt bleibt im Zauberkreise einer Gedankenfülle, einer alle Empfindungen beherrschenden Ausdrucksweise und einer Tonschönheit, welche keinen Augenblick eine Abspannung aufkommen lassen. Dem geheimnißvollen Auf- und Abwogen des pathetischen ersten Satzes mit seiner verhauchenden Klage steht der zweite Satz, ein in kontrastirenden Themen lebhaft und tief einherrauschendes Scherzo entgegen, worauf dann der feierliche dritte Satz von einem beruhigenden Adagio sich zu heroischer Größe emporschwingt, bis im vierten Satze alle die Elemente dieser Symphonie sich zu einer Apotheose zusammenfinden. Dieser vierte Satz ist seiner Anlage nach weniger selbstständig als die früheren Sätze und steht auch nicht auf ihrer Höhe. Das Werk als Ganzes ist aber bedingungslos die Krone der Musik unserer Zeit. Unverständlich wird es nur Demjenigen sein, der es nicht verstehen will.
(Schluß folgt.)" (**).
" "Bruckner's Achte Symphonie."
(Ein Vorwort zum nächsten Concerte des Olmützer Musikvereines.
Unser Musikverein wird in seinem am nächsten Sonntag, den 22. d. M., stattfindenden Concerte Bruckner's "Achte Symphonie" zur Aufführung bringen.
Aus den mehr oder minder begeisterten Besprechungen des grandiosen Tonwerkes, das in seiner Art unter den Compositionen der jüngsten Zeit einzig dasteht, wollen wir nachstehende unserem Publicum mit dem Wunsche zur Kenntniß bringen, daß dasselbe in gerechter Würdigung der Intentionen des Musikvereines und seines artistischen Leiters, dessen Bemühungen durch zahlreichen Besuch des Concertes unterstützen möge. Eine Bruckner'sche Symphonie wird sobald nicht wieder die Vortragsordnung unserer musikalischen Vereine zieren.
Das "Musikalische Wochenblatt" (Kritiker Dr. Theodor Helm) Leipzig, schreibt:
Es dürfte wohl in den Annalen der Concertgeschichte sehr selten vorgekommen sein, [... es folgt der vollständige Text vom 29.12.1892 (mit minimalen orthographischen Abweichungen) ...] Die Aufführung unter Hans Richter's Leitung war, vom vergriffenen Tempo des Trio abgesehen, eine hinreißend vollkommene.
In der "Extrapost" läßt sich Max Graf vernehmen:
Bruckner's Individualität ist unberechenbar: [... ab hier der vollständige Text der Kritik vom 19.12.1893 ...]
Es war ein Ehrentag für den greisen Meister und ein Festtag für die Zuhörer, welche solcher Geniethaten schon lang entwöhnt sind.
In der "Oesterreichischen Volkszeitung" schreibt Balduin Bricht:
Die Hörerschaft, welche am 18. December 1892 der Erstaufführung von Bruckner's Achten [sic] anwohnte, war durchdrungen von der Erkenntniß, daß diese anderthalb Stunden Musik zu dem Größten und Bedeutungsvollsten gehören, was unsere Tage in der Musikpflege erlebt. Ein Jubel umbrauste den Meister, daß er in seiner frommen Naivetät förmlich rathlos dastand und nicht wußte, wie danken, wie die mächtigen Lorbeerkränze, die ihm überreicht wurden, zur Seite zu tragen. Und diese überschäumenden Beifallsäußerungen klangen keineswegs wie die handfeste, trotzige Muß=Leidenschaft der Parteigänger, sondern sie waren hervorgerufen durech die aufrichtige Bewunderung, durch überwältigende Ergriffenheit. Bruckner hat in seiner Achten die übliche Form der Symphonie noch mehr aufgelockert, als in ihren Vorgängerinnen, aber der Inhalt ist ein so beispiellos reicher, daß man unbedenklich sagen darf, Bruckner habe da erst das Meisterstück seines Styls der Welt übergeben. Sieht man auch ab von den Wundern der Contrapunktik und der orchestralen Pracht dieses Werkes – selbst Bruckner's Gegner lassen ihm in diesen Richtungen Gerechtigkeit widerfahren, – so wird Niemand die Thatsache in Abrede stellen wollen, daß man vom ersten bis zum letzten Tone dieser längsten aller Symphonien festgebannt bleibt im Zauberkreise einer Gedankenfülle, einer alle Empfindungen beherrschenden Ausdrucksweise und einer Tonschönheit, welche keinen Augenblick eine Abspannung aufkommen lassen. Dem geheimnißvollen Auf- und Abwogen des pathetischen ersten Satzes mit seiner verhauchenden Klage steht der zweite Satz, ein in kontrastirenden Themen lebhaft und tief einherrauschendes Scherzo entgegen, worauf dann der feierliche dritte Satz von einem beruhigenden Adagio sich zu heroischer Größe emporschwingt, bis im vierten Satze alle die Elemente dieser Symphonie sich zu einer Apotheose zusammenfinden. Dieser vierte Satz ist seiner Anlage nach weniger selbstständig als die früheren Sätze und steht auch nicht auf ihrer Höhe. Das Werk als Ganzes ist aber bedingungslos die Krone der Musik unserer Zeit. Unverständlich wird es nur Demjenigen sein, der es nicht verstehen will.
(Schluß folgt.)" (**).
Zitierhinweis:
Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 189310195, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-189310195letzte Änderung: Feb 02, 2023, 11:11