Deutsche Erstaufführung von Kyrie, Benedictus und Agnus dei der f-Moll-Messe durch den Akademischen Musikverein unter Emil Kauffmann im Festsaal des Museums in Tübingen (*).
Der vierte "Ausweis" der Spendenaktion für das Steyrer Bruckner-Denkmal (zuerst geplant als Votivfenster) weist eine Summe von 700 fl aus (**).
Dies meldet der Alpen-Bote Nr. 6 auf S. 5 (**a).
Besprechung der Münchner Aufführung der 4. Symphonie [am 20.1.1897] in der Allgemeinen Zeitung München Nr. 21 auf S. 1f (***).
In der Reichspost Nr. 16 erscheint auf S. 10 eine Kritik zur Aufführung der d-Moll-Messe am 17.1.1897, signiert "G. v. B." (= Gaigg von Bergheim):
" — Das zweite Gesellschafts-Concert der Musikfreunde. Lange dauerte es, bis die Gesellschaft der Musikfreunde ihre Ehrenschuld an den großen Tonmeister Anton Bruckner abzahlte. Sie that dies in dem von ihr am Sonntag den 17. d. M. veranstalteten Concerte durch die erste Aufführung der großen Messe in D-moll. Dieses aus der ersten Schöpfungsepoche des Componisten stammende Werk ist in streng kirchlichem Stile gehalten und darum umso klarer und einheitlicher. Ein formvollendeter
Tonsatz, liebliche Quartettsätze, Kraft und Energie in den Chören und besonders interessante orchestrale Zwischenspiele voll herrlicher Thematik füllen diese aus sechs Sätzen bestehende, beiläufig eine Stunde währende Composition vollständig aus. Besonders erkennt man unseren lieben Meister an den rasch hervorgestoßenen Schlußaccorden einzelner Sätze oftmals wieder; eine weitere Eigenthümlichkeit ist es, daß Bruckner im Gloria und Credo die Worte des Priesters nicht wiederholt, sondern an dieselbe anknüpft, wodurch die profane Wirkung des Einsatzes, besonders im Concertsaale allerdings verloren geht. Die Aufführung des weihevollen Werkes war unter Richard von Perger's Leitung besonders in ihrem orchestralen und choralen Theile eine pietätvolle und exacte — Die weiteren Programmnummern des Concertes [...] G. v. B." (°).
In der Ostdeutschen Rundschau Nr. 21 wird auf S. 8 die Aufführung des Quintetts [am 17.1.1897] besprochen (°°).
Der "Wiener Musikbrief" des Musikalischen Wochenblatts auf S. 47f erwähnt Ferdinand Löwe und hebt seine ausgezeichneten Bruckner-Transkriptionen hervor (°°°).
Auf S. 52 ist die Münchner Aufführung der 7. Symphonie [eines einzelnen Satzes? wann?] erwähnt (#).
Der Pester Lloyd Nr. 18 bringt im "Wiener Musikbrief" auf S. 5 eine Besprechung der d-Moll-Messe [am 17.1.1897] von Theodor Helm:
" Wiener Musikbrief.
Zum Gedächtniß des am 11. Oktober v. J. verstorbenen Wiener Tonmeisters Anton Bruckner wurde am Sonntag im zweiten (ordentlichen) Gesellschaftskonzerte seine große Messe in D-moIl aufgeführt. Es war die erste Konzert-Aufführung dieses Werkes in Wien, welcher aber bereits eben eine solche, als überaus erfolgreich geschilderte, 1893 unter Kapellmeister Mahler's Leitung im Stadttheater zu Hamburg vorausgegangen war. Ich halte Bruckner's D-moll-Messe bei aller Großartigkeit und echt kirchlichen Haltung für eines seiner eingänglichsten und liebenswürdigsten Werke, vielleicht mehr als irgend ein anderes geeignet, seiner vielbestrittenen Muse neue Verehrer zuzuführen. Im Ganzen steht die bereits 1863/64 für den Linzer Dom geschaffene Partitur noch auf jenem klassischen Boden, welchem als herrlichste Blume Mozart's unsterbliches „Requiem" entstammt, aber auch Einflüsse der gewaltigen Missa solemnis Beethoven's machen sich geltend und in den mächtigen gesteigerten Orgelpunkten, wie auch in gewissen überraschenden Modulationen erkennt man schon deutlich den Bruckner der späteren Symphonien und des Tedeums. Aber Alles gibt sich doch so überzeugend, so natürlich. Ein lieblicheres, melodisch reizenderes Benedictus wie das dieser D moll-Messe, hat wohl kein Kirchenkomponist geschrieben und das seine Anrufung des Herrn in tiefer Zerknirschung vorbringende, inbrünstig fromme Kyrie, die prachtvolle Amenfuge des Gloria, besonders aber auch das ganze Credo, in welchem die mystische Vorstellung der Menschwerdung (»Et incarnatus«) ebenso poetischen Ausdruck gefunden hat, als die der Auferstehung (»Et resurrexit«) und des Weltenrichters (»judicare vivos et mortuos«) mächtig erschütternde musikalische Wiedergabe, erscheinen mir gleichfalls in der Literatur der religiösen Tonkunst unserer Zeit unübertroffen. Merkwürdig, daß gewisse Stellen wie prophetisch auf den erst gegen zwanzig Jahre später erschienenen „Parsifal" hinweisen und dadurch einen neuen Beleg für die bereits ursprünglich vorhandene Geistesverwandtschaft Wagner's mit Bruckner bilden, die man so häufig und ganz irrig als rein äußerliche Nachahmung des Ersteren
durch den Letzteren aufgefaßt.
Der Dirigent der Gesellschaftskonzerte, Herr Richard v. Perger, hatte die Messe in vielen Proben sorgfältig einstudirt und war daher die Aufführung im Ganzen sehr gelungen. Nur hätten wir bessere männliche Soli gewünscht. Der erste Sopran wurde von Frl. Sophie Chotek, der Alt von Frau Gisela Körner meist befriedigend gelungen. Das Werk schien auf die andachtsvoll lauschende Hörerschaft tiefen Eindruck zu machen, besonders das innig fromme, versöhnende Ausklingen des Ganzen. Zu rauschendem Beifall gibt diese Messe nur durch die Schlüsse des Gloria und Credo Anlaß — da wurde denn auch am stärksten applaudirt.
Nach den weihevollen Klängen der Bruckner'schen Messe [...] Dr. Theodor Helm." (##).
Hinweis auf das Konzert mit der 4. Symphonie am 22./23.1.1897 in The Inter Ocean Nr. 303 (Chicago) auf S. 3:
" CHICAGO ORCHESTRA CONCERT.
Theodore Thomas will conduct the Chicago Orchestra in the fourteenth programme of the season on Friday afternoon and Saturday evening. The list of works to be presented offer a brilliant variety. Even the symphony, which is by Anton Bruckner, is one of those symphonic creations which from the very beginning holds one's attention, for of all the many charming productions which came from Bruckner's pen the romantic symphony is beyond doubt the richest and most melodious. [... Wagner, Berlioz ...]. The programme is complete in the following order. Overture, "Euryanthe," Weber. Symphony, No. 4, E flat (romantic), Anton Bruckner (first time in this country); allegro molto moderato, andante, scherzo, finale. Scherzo capriccioso [... Dvorak, Berlioz, Wagner ...]." (###).
The Colby Tribune Nr. 39 (Colby, Kansas) erwähnt auf S. 1 Bruckner im Jahresrückblick auf 1896:
"HISTORY OF A YEAR.
[...]
OCTOBER.[...]
12. Storm: A West India hurricane swept the Atlantic coast from New England to New Jersey. Obituary: Herr Bruckner, celebrated musical composer, in Vienna; aged 72. [...]." (a).
Zitierhinweis:
Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 189701215, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-189701215letzte Änderung: Aug 14, 2026, 0:00