zurück 2.7.1897, Freitag ID: 189707025

Brief von Theodor Reisch an Ignaz Bruckner:
     Dem beiliegenden Bescheid des Bezirksgerichtes Landstraße könne er entnehmen, dass die Verlassenschaftsabhandlung Anton Bruckner nun vollständig beendet sei. Er, Reisch, habe daher auch die bei der Lemberg-Czernowitz-Jassy-Bahn deponierten Papiere (2 x 300.- fl) beheben können, deren Verkaufserlös 599,53 fl betrage. Dazu kämen 11,40 fl Zinsen aus den Mai-Coupons und 45,81 fl aus den Verlagsrechten (78.- RM) an der 8. Symphonie. Nach Abzug der Gebühren und Auslagen (46.- fl) ergebe sich für Ignaz ein hälftiger Betrag von 305,37 fl, der - wie in St. Florian besprochen - durch die beiliegenden drei Rentenobligationen à 100 fl (Nominalwert 306,70 fl) ausgeglichen werde.
     Das städtische Museum würde 200.- fl für die Büste und die zwei Porträts zahlen. Auch Josef Schalk und Ferdinand Löwe unterstützen dieses Angebot; Wien warte auf eine Erklärung von Reisch, er habe in diesem Sinn auch an die Schwester geschrieben.
     Den Wunsch von Ignaz, das Vexilla regis nach St. Florian zu geben, könne er noch erfüllen, da es - zwar vorgesehen für den Wiener Männergesangverein - noch bei Ferdinand Löwe liege.
     Von der Totenmaske habe er 2 Gipsabdrücke anfertigen lassen, deren einen die Gesellschaft der Musikfreunde übernommen habe. Ob St. Florian auch Interesse habe?
     Kathi Kachelmayer (IV., Goldeggasse 14) kränke sich, dass sich Ignaz immer noch nicht gemeldet habe - bitte ein Lebenszeichen geben! Es sei auch zu erwarten, dass das Stift den nicht benötigten Restbetrag der für die Sargerhaltung gestifteten 1000 fl für Frau Kathi flüssig machen werde (*).
 
"Das Vaterland" Nr. 180 berichtet auf S. 1 des Abendblatts von dem Konzert am 29.6.1897:
"     * [Fürsterzbischöfliches  Knabenseminar.] Aus Oberhollabrunn wird uns geschrieben: Dienstag, 29. Juni, fand eine Production der Zöglinge des fürsterzbischöflichen Knabenseminares im Refectorium dieses Institutes vor einem zahlreichen Publicum statt. Das Programm war reichhaltig und musikalisch-declamatorischen Inhaltes. Die Chöre, sowie die Orchesterstücke, die unter der Leitung des hochw. Herrn Präfecten Lehner zur Aufführung gelangten, wurden mit großem Beifalle aufgenommen. [...] Auch Brahms, Bruckner und Verdi waren vertreten. Das bewährte Orchester bewies auch diesmal seine Tüchtigkeit. [...] Nach der Production ging das Publi­cum befriedigt von dannen." (**).


Zitierhinweis:

Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 189707025, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-189707025
letzte Änderung: Aug 29, 2026, 7:07