Vormittags Jahreshauptversammlung der IBG im Großen Saal des Züricher Konservatoriums. Eröffnungsansprache Max Auers, Berichte von Generalsekretär und Geschäftsführer, Wahlen unter Vorsitz des Alterspräsidenten Friedrich Klose. Ernst Kurth tritt zurück, Volkmar Andreae wird Präsident für das Ausland. Zum geschäftsführenden Vorstand gehören neu Siegmund von Hausegger und Volkmar Andreae, als aktives Miitglied Gertrud Staub-Schlaepfer, ehrenhalber Oberst von Herold (Baden-Baden), die Schwestern Ernst (Heidelberg). Kurth wird zum Ehrenmitglied ernannt.
"Hofrat Holzer legte als Vorstand des Wiener Brucknerbundes ein Treuebekenntnis ab zu Ferdinand Löwe und Franz Schalk, [...]".
Abends in der Tonhalle Aufführung der 6. und 5. Symphonie (beide in Originalfassung) durch das Tonhalle-Orchester unter Siegmund von Hausegger (*).
Artikel von Josef Venantius von Wöß »Um die Fassungen der Werke Anton Bruckners« [vgl. 23.4.1936, August 1936 und 12.9.1936] in den Neuen Zürcher Nachrichten (**).
Rundfunkvortrag [Zürich] von Willi Schuh »Bruckner, der Symphoniker« (***).
Willi Schuh berichtet in der Morgenausgabe der Neuen Zürcher Zeitung von der Festversammlung am 21.6.1936:
" uh. Die am Sonntagabend in die Tonhalle einberufene Festversammlung der Internationalen Brucknergesellschaft vermochte auf das musikalische Zürich nicht eben eine starke Anziehung auszuüben. Scheute man vielleicht die Häufung offizieller Reden, durch die die Musik des gefeierten Meisters auf einen verhältnismässig bescheidenen Platz verwiesen wurde? Soweit die Reden der offiziellen
Vertreter der Brucknergesellschaft, der Tonhallegesellschaft, der Regierung und des Stadtrats von Zürich sowie des Bruckners-Stifts St. Florian in Frage kommen, war die Befürchtung unbegründet. Sowohl Prof. Max Auer, der die Festversammlung auf sympathische Weise begrüsste, als Dr. Karl Escher, der einen Brief des an der persönlichen Teilname verhinderten Ehrenkomiteepräsidenten Bundesrat Etter verlas, als auch der St. Florianer Stiftsprobst Dr. Vincenz Hartl befleissigten sich vorbildlicher Kürze. […] Den Löwenanteil des Abends beanspruchte der eigentliche Festredner, Rudolf Holzer aus Wien, der vom Menschen Bruckner, von den entscheidenden Natur- und Kunsteindrücken, wie sie die oberösterreichische Landschaft und das Stift St. Florian dem jungen Bruckner darboten, und weiterhin vom Duldertum des „bäurischen Parsifal“ in etwas weitschweifender Weise erzählte. […] - dieser Gedanke wäre vielleicht fruchtbarer geworden, wenn sich der Redner nicht in eine überflüssige, die Ueberlegenheit der Geschichtsbetrachtung vermissenlassende Anprangerung der bekannten und bedauerlichen Fehlurteile eines Hanslick, Bülow und Brahms verloren hätte. Trotz manchen seinen Einzelzügen vermochte die Rede das Interesse der ermüdeten Hörer nicht bis zum Schluss wachzuhalten. […]." (°).
Zitierhinweis:
Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 193606235, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-193606235letzte Änderung: Jan 07, 2026, 17:17