Brief von Johann Salzbauer (Mauthausen) an Franz Xaver Müller:
"Hochwürdiger verehrter Herr Regenschori!
Mit Vergnügen komme ich Ihrer Bitte folgend von Dr. Bruckner Mitteilungen zu machen [,nach].
Ich kam im Jahre 1843 als Sängerknabe nach St. Florian. Wir waren 4 Knaben, ich. Eduard Seiberl, Koller Lehrerssohn von Niederranna in Niederösterreich und Heybal aus Windhaag. Wir wohnten im alten Schulhause ebenerdig unter dem Zimmer, wo Dr. Bruckner wohnte. Schulmeister war Hr. Michael Lengauer [recte: Michael Bogner], wo die Lehrer und Sängerknaben verpflegt wurden. WIr mussten auch die Hrn. Lehrer bedienen, nämlich Wasser holen, Töpfe abends hinauf tragen. Ich kann mich leider aber auf den 2. Lehrer nicht erinnern; damals war Hr. Ernecker [recte wohl: Ehrenecker]. Im Jahre 1845 kam nun Hr. Dr. Bruckner von Kronstorf mit 20 fl angestellt nach St. Florian. Er wohnte gerade ober uns und ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass Bruckner täglich früh, 4 Uhr früh, schon am Klavier saß und spielte. Um 7 Uhr war das Kapitelamt, wo wir mit ihm um 1/2 7 Uhr gingen. Dann war Schule, dann hatten wir täglich bei Bruckner unsere Gesangsstunden. Nach Dr. Bruckner kam dann der Lehrer Hans Schläger. Ich glaube die Schläger kamen aus St. Georgen an der Gusen. Ein Bruder von Hrn. Schläger war später auch mit ein Sängerknabe. Im Jahre 1849 kam ich von Florian fort und musste in Krems die Realschule 2 Jahre besuchen, wo ich bei den Hl. Messen immer, da ich mit dem 15. Jahr noch nicht mutiert hatte, vorsingen [musste]. Nach Krems kam ich dann nach Wien, um den zweijährigen pädagogischen Kurs mitzumachen und dann nach St. Florian.
Als Sänger kann ich mich noch erinnern, waren Hr. Neubauer, Friedl, ich und einige vom Markte. Ganz genau erinnere ich mich nicht mehr. An die Sängerin Jeronek, wie Hochwürden erwähnen, kann ich mich nicht genau erinnern. Als Sängerknabe war Hr. Schäffler Regens und als Lehrer Hochw. Traunmüller [recte: Traumihler]. Unter Hw. Traunmüller waren wenig fremde Damen. Im Jahre 1865 verließ ich nach sieben Jahren St. Florian und kam als Oberlehrer an Stelle meines Vaters nach Weißenkirchen in der Wachau. Organist Josef Seiberl, der auch Tenorist war, war auch ein ausgezeichneter genialer Musiker, aber er nahm sich die Sache leicht. Wir sagten oft: Was Bruckner durch richtigen Fleiß und Ausdauer sich erwarb, hätte Seiberl im kleinen Finger gehabt. Also nochmals von Dr. Bruckners Abgang weiß ich nichts, da ich erst 1858 nach St. Florian kam.
Ich könnte, wenn mir noch einiges einfällt, mir erlauben, spätere Mitteilung zu machen. Das Meiste schrieb ich nieder.
Bitte meine Schrift zu entschuldigen. Hoffend ehrwürdigen Hochwürden halbwegs zufriedengestellt zu haben, zeichnet
Hochachtungsvollst ergebener
Hans Salzbauer, Oberlehrer i. P."
[Vermutlich beruhen einige Angaben Salzbauers auf falscher Erinnerung. Vgl. den Brief vom 18.7.1900]
Zitierhinweis:
Franz Scheder, Anton Bruckner Chronologie Datenbank, Eintrag Nr.: 191611085, URL: www.bruckner-online.at/ABCD-191611085letzte Änderung: Apr 03, 2025, 12:12